Wir freuen uns auf die Abfahrt
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Lebensfreude im Kloster

 

Klöster haben heutzutage mit  Problemen zu kämpfen: Immer weniger Menschen entscheiden sich für ein Leben im Kloster. Oft stehen Teile der großen Bauten und Anlagen leer, es fehlt an Geld und Konzepten. So haben vor Jahren schon viele Klöster und Abteien ihre Mauern geöffnet und bieten eine „Auszeit im Kloster“, Besinnungs- und Selbsterfahrungstage an, verbunden mit einem gesunden Lebensstil, spiritueller Praxis, Yoga und Meditation. Solche kleinen „Auszeiten“ werden inzwischen von vielen Menschen wahrgenommen, sie bedeuten ein kurzes, aber wichtiges Verschnaufen in der Hektik des Alltags und lassen sich gut ins Alltagsleben integrieren.

 

Die SHG Hilden/Haan verbrachte das letzte Augustwochenende in der „Benediktinerabtei Gerleve“ bei Billerbeck im Münsterland. Wir wollten entspannen, uns besser kennen lernen und den Spätsommer genießen. Das Wetter spielte auch mit, denn bis auf einen kleinen Schauer schien die Sonne aus klarem Himmel.

 

Wer früh aufstand, konnte vor dem Frühstück am Gottesdienst teilnehmen und sonntags sogar den wunderschönen Gesänge der Mönche lauschen. Die abgeschiedene Lage der Klosters  inmitten der Natur sorgte für den nötigen Abstand vom Alltag.  Morgens blökten die Schafe, die allerdings meist von den gewaltigen Kirchenglocken noch übertönt wurden.

 

Die Zimmer, mit Duschbad, waren schlicht und nur mit dem Nötigsten ausgestattet: Bett, Schrank, Tisch und Stuhl, kurzum: alles, was man brauchte, war da. Das Essen war ganz ausgezeichnet und  frisch zubereitet – oft mit den Produkten aus dem eigenen Klostergarten. Ebenso bemerkenswert war die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit des gesamten Klosterpersonals, beispielsweise bei der Erfüllung von  Sonderwünschen Einzelner.  In der Einfachheit dieser Umgebung war echte Herzlichkeit das oberste Prinzip.

 

Der Kontakt mit einem etwa 70 Jahre alten Mönch war geradezu herzerfrischend. Wir fragen ihn nach der Dauer seines Klosterlebens. Seine Augen strahlten und mit einem spitzbübischen Lächeln sagte er: 51 Jahre! Und dann erzählte er, wie er vor etlichen Jahren den neuen Jugendbildungsbereich aufgebaut und geleitet hatte. Und immer schwang eine große Portion Stolz, Ruhe und Zufriedenheit in seiner Erzählung mit. Beneidenswert! Wie anders gestaltet sich doch unser alltägliches Leben – voller Hektik, Verpflichtungen und Sorgen.

 

Man merkte, dass manche unserer Teilnehmer geradezu ihren Ballast abwarfen und sich in dieser Atmosphäre der Ruhe und Freude befreit fühlten. Sie lachten erleichtert, konnten manchmal nicht mehr aufhören zu lachen, was natürlich  ansteckend war. Und so haben wir die Tage und Abende sehr fröhlich verbracht, jegliche Schwere des Alltags vergessen und einfach eine Zeit der Verbundenheit miteinander verbracht – einfach gelacht, weil es Freude machte zu lachen.

 

In unserem Gruppenraum konnten wir reden, planen, feiern (z.B. den Geburtstag einer Teilnehmerin), spielen und entspannen. Zu unserem „Programm“ zählten eine Menge Angebote. Wohlgemerkt Angebote! Man konnte Nordic Walking mitmachen, Entspannung nach Jacobsen, einen Ausflug ins romantische Städtchen Billerbeck mit Dombesichtigung und Eiscafe-Besuch, Obstflücken in fremden Gärten und einen Bücherflohmarkt besuchen.

 

Niemand fühlte sich zur Teilnahme gezwungen – jeder wusste um die Freiwilligkeit ganz nach den eigenen Bedürfnissen.  So konnte es schon mal vorkommen, dass  ein verlängertes Mittagschläfchen allen  Aktivitäten vorgezogen wurde. Und doch waren wir eine eng zusammengehörige Gruppe, in der sich jeder vertrauensvoll öffnen und fallen lassen konnte. Selten habe ich so ein fröhliches und liebevolles Miteinander erlebt und wieder und wieder werden auch heute noch den Mitgliedern unserer Gruppe, die nicht teilgenommen haben, die schönsten Anekdötchen erzählt, bis diese sagen: „Nächstes Jahr fahr ich aber auch mit!“

 

Gudrun Klempau